Wien – Der Blutdruck ist einer der wichtigsten Indikatoren für das allgemeine Wohlbefinden. Dennoch wissen viele Österreicherinnen und Österreicher nicht, dass die Werte auch dann erhöht sein können, wenn der Körper sich scheinbar in völliger Ruhe befindet. Fachleute betonen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen – und dass Wissen über diese Zusammenhänge helfen kann, den eigenen Lebensstil bewusster zu gestalten.

Die Rolle des vegetativen Nervensystems

Das vegetative Nervensystem steuert zahlreiche Körperfunktionen, darunter auch die Regulation des Blutdrucks. Selbst in vermeintlichen Ruhephasen kann es aktiv bleiben – etwa durch Stress, unbewusste Anspannung oder unregelmäßige Schlafmuster. Das sympathische Nervensystem, das für die sogenannte „Kampf-oder-Flucht-Reaktion" zuständig ist, kann auch bei äußerer Ruhe aktiv sein und die Gefäßspannung beeinflussen. Experten empfehlen daher gezielte Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation, um das vegetative Gleichgewicht zu unterstützen.

Wussten Sie? Laut dem österreichischen Gesundheitsbericht liegt der Anteil der Erwachsenen mit erhöhten Blutdruckwerten bei rund 30 Prozent. In der Altersgruppe ab 55 Jahren betrifft es in Europa sogar jeden zweiten Menschen.

~30%
der Erwachsenen in Österreich mit erhöhtem Blutdruck
50%
der über 55-Jährigen in Europa betroffen
1,28
Milliarden Menschen weltweit (WHO)
46%
wissen nichts von ihren erhöhten Werten

Alltagsfaktoren mit überraschendem Einfluss

Die Ernährung, insbesondere ein hoher Salzkonsum, kann die Blutdruckregulation erheblich beeinflussen. In Österreich wird laut Ernährungsbericht im Durchschnitt deutlich mehr Salz konsumiert als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Auch koffeinhaltige Getränke und bestimmte Lebensmittel können die Werte vorübergehend beeinflussen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten gilt als hilfreich für das allgemeine Wohlbefinden.

Darüber hinaus spielen Bewegung und körperliche Aktivität eine wichtige Rolle. Bereits moderate, regelmäßige Bewegung – etwa 30 Minuten zügiges Gehen pro Tag – kann dazu beitragen, das Herz-Kreislauf-System zu unterstützen. Die Österreichische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt, Bewegung als festen Bestandteil des Alltags zu integrieren.

Frisches Obst und Gemüse auf einem Holztisch, symbolisch für gesunde Ernährung
Viele Menschen sind überrascht, wenn sie erfahren, dass ihre Werte auch in ruhigen Momenten erhöht sein können. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass zahlreiche alltägliche Faktoren – von der Schlafqualität bis hin zur Flüssigkeitszufuhr – eine Rolle spielen können.
Univ.-Prof. Dr. Sabine Koller
Fachärztin für Innere Medizin, Medizinische Universität Wien

Der Faktor Schlaf und innere Anspannung

Schlafqualität hat einen erheblichen Einfluss auf die Blutdruckregulation. Unregelmäßige Schlafzeiten, zu wenig Schlaf oder häufige Unterbrechungen der Nachtruhe können dafür sorgen, dass das vegetative Nervensystem auch in Ruhephasen nicht optimal arbeitet. Studien der MedUni Graz zeigen, dass eine konsequente Schlafhygiene – also regelmäßige Schlaf- und Aufwachzeiten, Vermeidung von Bildschirmen vor dem Einschlafen und eine angenehme Schlafumgebung – positive Effekte auf das Wohlbefinden haben kann.

Auch verborgene innere Anspannung ist ein Faktor, der oft unterschätzt wird. Beruflicher Druck, familiäre Verpflichtungen oder finanzielle Sorgen wirken auf den Körper ein, selbst wenn man äußerlich entspannt wirkt. In Österreich nutzen immer mehr Menschen Programme zur Stressbewältigung, die von den Krankenkassen unterstützt werden. Die ÖGK bietet etwa in Wien, Graz und Linz entsprechende Kurse an.

i Allgemeine Empfehlungen von Fachleuten

Regelmäßige Bewegung (mindestens 150 Minuten pro Woche), eine salzreduzierte Ernährung, ausreichend Schlaf (7–8 Stunden) und bewusste Stressbewältigung gelten als unterstützende Maßnahmen für das allgemeine Wohlbefinden. Fachleute empfehlen außerdem, die eigenen Werte regelmäßig zu kontrollieren und bei Unsicherheiten ärztlichen Rat einzuholen.

Tipp: Die österreichischen Vorsorgeuntersuchungen stehen allen Personen ab 18 Jahren einmal jährlich kostenlos zur Verfügung.

Österreichs Gesundheitssystem im Fokus

Österreich verfügt über ein dichtes Netz an Gesundheitseinrichtungen. Von den Ordinationen der Hausärzte bis hin zu spezialisierten Zentren in Wien, Graz, Salzburg oder Innsbruck stehen vielfältige Anlaufstellen zur Verfügung. Die jährliche Vorsorgeuntersuchung, die von der Sozialversicherung finanziert wird, bietet eine gute Gelegenheit, die eigenen Werte überprüfen zu lassen. Laut Statistik Austria nimmt jedoch nur rund ein Drittel der Berechtigten dieses Angebot regelmäßig wahr.

Die Initiative „Gesundes Herz" des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz setzt sich dafür ein, das Bewusstsein für Herz-Kreislauf-Gesundheit in der Bevölkerung zu stärken. Informationskampagnen und kostenlose Messaktionen in öffentlichen Einrichtungen sind Teil dieser Strategie.

Was man selbst tun kann

Die gute Nachricht: Viele der Faktoren, die die Blutdruckregulation beeinflussen, lassen sich durch bewusste Entscheidungen im Alltag positiv gestalten. Dazu gehören eine bewusste Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und der bewusste Umgang mit Stress. Fachleute empfehlen zudem, die eigenen Werte regelmäßig zu Hause zu messen und die Ergebnisse beim nächsten Arztbesuch zu besprechen.

Ein modernes Blutdruckmessgerät für den Heimgebrauch ist in den meisten Apotheken erhältlich und einfach zu bedienen. Die Messung sollte idealerweise morgens und abends in ruhiger Umgebung stattfinden, um verlässliche Werte zu erhalten. Über einen längeren Zeitraum dokumentierte Werte können für Fachleute wertvolle Hinweise liefern.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Fragen zu Ihren persönlichen Gesundheitswerten haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.